Tagesschau

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+++ Nach dem Abgasskandal bei Volkswagen will die Tochter AUDI den Einsatz von Dieselmotoren in den USA stark einschränken. Es gebe bei einem Modell Potenzial dafür, nämlich dem Geländewagen Q7, sagte US-Chef Scott Keogh. Zu Spitzenzeiten hätten Dieselmodelle noch 7 Prozent des Audi Angebotes in den USA ausgemacht. Es habe sich aber immer um eine Brückentechnologie gehandelt. Audi setze nun auf den Elektromotoren, sagte der Manager. Der erste Geländewagen mit diesem Antrieb solle 2018 auf den Markt kommen. Volkswagen hatte zugegeben, Abgaswerte in den USA mit einer verbotenen Software manipuliert zu haben. Weltweit sind Millionen Fahrzeuge damit ausgestattet. +++

+++ Erst das Atemgift NOx, nun auch der Klimakiller CO2. Der internationale Umweltforscher-Verbund ICCT – Mitenthüller des Volkswagen Abgas-Skandals – erhebt mit einer neuen Untersuchung schwere Vorwürfe gegen die Autoindustrie. Während die Vereinten Nationen in Marrakesch um weitere Schritte im Kampf gegen die globale Erwärmung ringen, ziehen die Wissenschaftler eine alarmierende Zwischenbilanz zum tatsächlichen Treibhausgas AUSSTOß vieler Fahrzeuge – mögliche finanzielle Folgen für Staat und Autofahrer inbegriffen. Kernergebnis der am Donnerstag vorgestellten Analyse: Auf der Straße verbrauchten neue Pkw 2015 im Schnitt 42 Prozent mehr Sprit, als die Hersteller im Prospekt offiziell angeben. Vor 5 Jahren hatte eine frühere Studie noch einen Unterschied von 23 Prozent, vor zehn Jahren von 15 Prozent ergeben. Weil die CO2-Werte direkt vom Verbrauch abhängen, dürften die Zahlen vor allem Klimaschützer aufschrecken. Dabei mag das International Council Of Clean Transportation nicht so recht daran glauben, dass die massiven Abweichungen nur Zufall sind. “Ungefähr drei Viertel der Diskrepanz zwischen Real- und Testverbrauch (sind) darauf zurückzuführen, dass Fahrzeughersteller immer systematischer Schlupflöcher in der bestehenden Regulierung ausnutzen”, meint Europa-Chef Peter Mock. Gemeint sind etwa für Tests optimierte Reifen oder Batterien. Zudem spielten Faktoren hinein, die den Labor- gegenüber dem Straßenbetrieb sparsamer erscheinen lassen – wie die Abschaltung von Klimaanlagen. Ihrem zusammen mit dem niederländischen Institut TNO erstellten Zahlenwerk legten Mock und seine Kollegen eine breite Basis zugrunde. “Wir haben die Daten für etwa 1 Million Fahrzeuge aus 7 europäischen Ländern untersucht“, berichtet ICCT-Mitglied Uwe Tietge. Dabei griffen die Forscher auf Angaben privater Autonutzer bei spezialisierten Verbrauchs-Webseiten, Tankdaten von Leasingfirmen, Straßentests von Fachzeitschriften und Messungen von Autoclubs zurück. Nie sei die “Kluft zwischen offiziellem und tatsächlichem Verbrauch” so groß gewesen. Nur 2005/2006 nahm sie einmal von 15 auf 14 Prozent ab. Der ICCT ist für die Autobranche kein Unbekannter. Eigene Tests der Organisation und der West Virginia University zur Emission von Stickoxiden bei Dieselautos in den USA hatten dazu geführt, dass die dortigen Behörden auf die Manipulationen von Volkswagen aufmerksam wurden. ‘Dieselgate’ war geboren, eine ganze Industrie geriet unter Verdacht. Stickoxide (NOx) entstehen bei vielen Verbrennungsprozessen, greifen Schleimhäute an, können Menschen, Tiere und Pflanzen schädigen. Das Thema CO2 – und damit der Spritverbrauch auch von Benzinmotoren – reicht weiter. Es heizt die Atmosphäre neben Methan besonders auf. Zwar hatte es vor einem Jahr schon einmal so ausgesehen, als könnte sich die NOx-Affäre zur CO2-Affäre ausweiten. Volkswagen meldete überraschend auch hier „Unregelmäßigkeiten“ – erklärte dann aber, es seien statt der zunächst befürchteten 800 000 nur bis zu 36 000 Wagen betroffen. Gleichwohl ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig gegen sechs Mitarbeiter wegen möglicher Steuerdelikte. Denn die Kfz-Steuer hängt in Deutschland maßgeblich am Verbrauch und den CO2-Werten. Auch andere Autobauer müssen sich auf heikle Fragen einstellen. Im Frühjahr hatte das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) nach NOx-Nachmessungen auch bei CO2 auffällige Daten festgestellt. Laut Medienberichten bestätigten sich im Sommer dann teils deutlich höhere CO2-Emissionen. “Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen”, hieß es aus dem Bundesverkehrsministerium. Volkswagen kündigte an, die Daten für ein Touareg und ein Passat Modell korrigieren zu müssen. Und in den USA soll die Umweltbehörde EPA auch eine Software-Funktion der Oberklasse-Tochter Audi unter die Lupe nehmen, die den wahren Ausstoß von CO2 kaschiert haben könnte. Das KBA gehe dem Sachverhalt nach, hieß es in Berlin. Audi betonte, man habe die technischen Hintergründe schon erläutert. “Es geht bei alldem gar nicht um ein paar Prozent mehr oder weniger”, sagt Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. “Der ganze Trend passt nicht mit der Realität zusammen”. Seit Jahren sei klar, dass Abgaswerte nicht verlässlich seien. “Aber es müssen auch Regeln gemacht werden, die die Realität abbilden”. Für Europa hat das Thema CO2 mehr Sprengkraft als für den wichtigen Automarkt USA. In der EU richten sich Hauptziele der Klimapolitik an der Verringerung von Kohlendioxid aus, die Regulierung wird bald noch verschärft. In den Vereinigten Staaten sind die CO2-Grenzen laxer – ob sich daran unter einem Präsidenten Donald Trump etwas ändert, darf bezweifelt werden. Dafür gibt es dort harte NOx-Limits. Der deutsche Autoverband VDA hatte seine Mitgliedsfirmen gerade erst in Schutz genommen. “Der Verkehrssektor leistet bereits heute einen erheblichen Beitrag zur CO2-Reduzierung”, hieß es vor einer Woche. VDA Chef Matthias Wissmann sagte der Deutschen Presse-Agentur, auch neue, CO2-neutrale Ökosprit-Sorten für Verbrenner hätten Potenzial. Können neue Tests wie WLTP ab 2017 oder Straßenmessungen (RDE) mehr Transparenz bringen? Mock sieht das mit gemischten Gefühlen. “Die neue Testprozedur wird helfen, die Abw eichung in etwa zu halbieren. Gleichzeitig gibt es jedoch Schlupflöcher in der neuen Regulierung. Zudem bedarf es systematischer Nachtests von Serienfahrzeugen durch unabhängige Stellen”. Ob die von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) favorisierten ‘Doping-Tests’ das leisten? “Das ist ja nur auf Stickoxid bezogen”, sagt Bratzel. “CO2 wäre noch eine andere Kiste”. +++

+++ FIAT will über den Handelsriesen Amazon Autos im Internet verkaufen und Kunden dort mit zusätzlichen Rabatten ködern. Die Online Werbeaktionen dürften bis zu einem Drittel höher ausfallen als bestehende Rabatte, teilte der weltweit siebtgrößte Autobauer mit. Das Vorhaben richte sich anfangs nur an Käufer aus Italien und betreffe die drei Modelle 500, 500L und den Panda. “Die Zeit ist gekommen, um Kunden einen neuen, effizienteren und transparenteren Weg zu ermöglichen, ein neues Fahrzeug auszuwählen”, sagte der für Italien zuständige Fiat-Manager Gianluca Italia. Nach dem Mausklick würden die Kunden von Amazon kontaktiert und müssten den Händler aussuchen, wo sie dann den Kauf endgültig abwickeln und das Auto mitnehmen können. Rund 2 Wochen nach der Bestellung sei der Wagen dann bereit, hieß es. +++

+++ Anfang Januar 2017 stellt MERCEDES auf der North American International Auto Show in Detroit das neue E-Klasse Coupé vor. Der Zweitürer basiert zukünftig wirklich auf der namensgebenden E-Klasse Plattform; anders als das aktuelle Modell, das einen Technik-Mix aus C- und E-Klasse nutzt. So wird das neue Coupé nicht nur rund 20 Zentimeter länger als der jetzige Zweitürer, sondern bekommt auch das Cockpit der Limousine mit 2 großen Bildschirmen und hochwertigen Materialien, gewürzt mit feinen Details wie Lüftungsdüsen, die an die Turbine eines Jets erinnern, und einem kleinen Dreispeichen-Sportlenkrad. Optisch macht das Coupé als erstes Modell der neuen Designlinie einen großen Sprung: Chefstylist Gorden Wagener verzichtet in der Seitenansicht komplett auf Sicken und Kanten. Wie schon die Limousine wird auch die Coupé Version der E-Klasse um etwa 100 Kilogramm leichter werden. Gemeinsam mit den neu entwickelten Motoren soll das den Verbrauch um bis zu 20 Prozent senken, obwohl die Leistung der Antriebe steigt. Neben den Vierzylindern stehen auch die neuen Reihensechszylinder-Diesel der Limousine zur Verfügung. Außerdem darf wohl auf eine AMG-Variante mit dem bekannten 4,0 Liter Biturbo V8 spekuliert werden, der bis zu 612 PS aus den Brennräumen presst. Künftig werden auch beim Coupé zudem Hybrid-Versionen angeboten. Übrigens: Wer es luftiger will, muss nur ein paar Monate länger warten. Das neue E-Klasse Cabrio mit dick gefüttertem Stoffverdeck folgt im Sommer. +++

+++ Der Chefentwickler des Volkswagen Konzerns, Ulrich Eichhorn, rechnet damit, dass batteriebetriebene Autos in 5 bis 8 Jahren nicht mehr teurer sind als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Die bislang zurückhaltende Einstellung der Kunden zu Elektroautos werde dann “sehr schnell kippen”, sagte Eichhorn bei einem Kongress. Eichhorn gab sich bei der Gelegenheit auch optimistisch mit Blick auf die Batteriereichweite von Elektroautos. Schon bald werde die Reichweite Werte erreichen, die Kunden nicht mehr vom Kauf eines Elektroautos abhielten. Derzeit blicke er “neidisch” auf die Reichweite des OPEL Modells Ampera-e, sagte Eichhorn. Volkswagen werde aber bald ebenfalls “dahin kommen”. Der Ampera-e hat auf dem Prüfstand laut Opel eine Batteriereichweite von rund 500 Kilometern. Auch hat Eichhorn den Skandal um manipulierte Abgaswerte mit einem “Kriminalroman aus der Vergangenheit” verglichen. Er wünsche sich, wieder verstärkt in die Zukunft blicken zu können, sagte der Chefentwickler: “Wir haben die Zukunft zu gestalten statt Kriminalromane aus der Vergangenheit zu studieren”. Volkswagen ist derzeit weltweit in Rechtsstreitigkeiten und offizielle Untersuchungen rund um den Abgasskandal verstrickt. Vor allem in den USA muss der Konzern viele Milliarden Euro aufwenden, um die Forderungen von getäuschten Kunden und Behörden zu erfüllen. +++

+++ VALMET Automotive will 1.000 weitere Werksarbeiter in Uusikaupunki (Finnland) einstellen. Die neuen Mitarbeiter sollen die Fertigung des Mercedes GLC unterstützen. Valmet setzt die ersten 250 neuen Mitarbeiter in den Bereichen Karosserie, Lackierung, Montage und interne Logistik ein. Zudem will Valmet rund 100 Angestellte in Produktion und in Ingenieurdienstleistungen einbinden. Nachdem der Vertrag für die Produktion von mehr als 100.000 Mercedes-Benz A-Klasse Modellen ausgelaufen ist, vertiefen Mercedes-Benz und Valmet ihre Partnerschaft mit der Produktion des Mercedes GLC, die im Frühjahr 2017 beginnen soll. Die Einstellungen sollen zu einem großen Personalbestand am Standort Uusikaupunki führen. In dem finnischen Werk arbeiten laut IHS Automotive derzeit rund 2.000 Beschäftigte. Die Marktexperten prognostizieren, dass zwischen 2017 und 2020 mehr als 175.000 Einheiten in dem Werk gefertigt werden. Dabei dürfte die höchste Stückzahl 2018 mit 50.000 Einheiten erreicht werden. Damit käme Valmet auf etwa 23 Prozent der weltweiten GLC Produktion. Nach Einschätzung von IHS könnte Valmet damit das Mercedes-Werk in Bremen auch bei der Fertigung des GLC Coupé entlasten. +++

+++ Es ist ein dramatischer Tag für den VOLKSWAGEN Konzern. In den nächsten Jahren sollen bis zu 30.000 Menschen das Wolfsburger Unternehmen verlassen, 23.000 davon in Deutschland. So tief ist ein Einschnitt bei Volkswagen nie zuvor gegangen. Deshalb ist es durchaus angebracht, von einem historischen Pakt zu sprechen, auf den sich Vorstand und Betriebsrat verständigt haben. Es wird ein schmerzlicher Einschnitt, auf den sich besonders die deutschen Standorte einzustellen haben. Wenn von den gut 120.000 Arbeitsplätzen hierzulande an die 20 Prozent dauerhaft gestrichen werden, dann tut das weh. Aber es gibt keine Alternative dazu, dass Volkswagen in Deutschland kleiner, schneller und agiler werden muss. Die Rendite von aktuell 1,6 Prozent bei der Marke Volkswagen ist im Vergleich zu den meisten anderen Wettbewerbern miserabel. Premiumanbieter wie Mercedes und BMW treten mit an die 10 Prozent in einer anderen Liga an, selbst ein Massenhersteller wie Peugeot ist mit rund 6 Prozent deutlich besser. Volkswagen muss in Deutschland unbedingt mit den Kosten herunter, und dazu gehört dann eben auch ein Stellenabbau in wirklich großen Dimensionen. Aus Sicht der Betroffenen ist das ein harter Schlag. Aber, ganz der Tradition des Konzerns entsprechend, geht Volkswagen dabei einen sozialverträglichen Weg. Betriebsbedingte Kündigungen wird es nicht geben. Den überwiegenden Teil des Stellenabbaus erreicht Volkswagen über Altersteilzeit und Vorruhestand. Insofern werden die Beschäftigten die Last des Stellenabbaus nicht zu tragen haben. Elektrifizierung und Digitalisierung geben dem Volkswagen Konzern in den kommenden Jahren ein neues Gesicht. Der Batterieantrieb, das Autonome Fahren und die neuen Mitfahrdienste werden Milliarden an Investitionen verschlingen. Doch zugleich gehen Volkswagen an anderer Stelle gewaltige Milliardenbeträge verloren – als Strafgelder und Entschädigungszahlungen in der Dieselaffäre. Deshalb ist der neue Sparkurs erst rech t unverzichtbar. Nur wenn Volkswagen schlanker und effizienter wird, lassen sich die zusätzlichen Investitionen finanzieren. Mit dem Zukunftspakt von Vorstand und Betriebsrat mag Volkswagen neue Wege einschlagen. Aber ein Erfolg ist damit noch lange nicht garantiert. Denn damit die Rechnung in Wolfsburg auch aufgeht, müssen in den nächsten Jahren mehr Autos verkauft werden. Angesichts großer Probleme in den USA, in Südamerika, in Russland und angesichts stagnierender Märkte in Europa ist das alles andere als sicher. Gelingen die Zuwächse nicht, droht absehbar ein noch härterer Sparkurs. Dann gibt es da noch ein ganz spezifisches Problem des Konzerns. Volkswagen präsentiert an diesem Tag nicht sein erstes Sparpaket. Solche Sparrunden haben in Wolfsburg gewissermaßen schon Tradition. Sie werden mit viel Verve verkündet und vom Management in der Öffentlichkeit als unverzichtbare Sanierungsschritte verkauft. Doch etliche dieser Sanierungspakete sind an Wolfsburger Realitäten gescheitert. Anders formuliert: Daraus wurden schnell Sparrunden, die diesen Namen überhaupt nicht verdienten. Geplante Einschnitte wurden verwässert, aufgeweicht, vergessen. Es blieben nur die großen Ankündigungen, wirklich gespart wurde am Ende nicht. Das darf dieses Mal nicht passieren. Volkswagen muss mit diesem Sparprogramm wirklich Ernst machen. Nach der Dieselaffäre kann sich der Wolfsburger Konzern ein neuerliches Zaudern nicht erlauben. Scheitert der Zukunftspakt, scheitern auch Elektrifizierung und Digitalisierung. +++

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