Tagesschau

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+++ AUDI muss ein beliebtes Dienstwagenmodell wegen Abgasmanipulationen zurückrufen. Die Akten gehen an die Staatsanwaltschaften, und könnten den inhaftierten Chef Rupert Stadler belasten. Als ich Anfang Mai über Manipulationen beim Premiumdiesel A6 von Audi berichtete, platzte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) der Kragen: Er zitierte Audi Chef Rupert Stadler zu sich ins Ministerium und wies ihn an, alle Modelle mit illegalen Abschalteinrichtungen zu melden. Persönlich konnte der Manager aus Ingolstadt das Problem nicht mehr lösen. Die Polizei verhaftete ihn am 18. Juni im Zuge von Betrugsermittlungen bei Dieselfahrzeugen, Stadler wurde einen Tag später von Volkswagen beurlaubt. Mittlerweile hat das für die Untersuchungen zuständige Kraftfahrt-Bundesamt seine Arbeit bei Audi abgeschlossen. Als letzten Akt in dem unrühmlichen Kapitel für die Volkswagen Tochter werden die Flensburger Beamten in Kürze einen amtlichen Rückruf für Audi A6 Diesel mit einem 3,0 Liter Biturbomotor anordnen. Es handelt sich bei den Fahrzeugen um das letzte Audi Modell, das im Rahmen der Aufklärung um Abgasmanipulationen durch das KBA beanstandet wurde. Das KBA hat seine Erkenntnisse aus den Untersuchungen vergangene Woche an die Staatsanwaltschaften in Braunschweig und München weitergeleitet, die gegen Volkswagen und Audi Manager unter anderem wegen Betrugs ermitteln. Audi wollte sich auf Anfrage nicht zu dem neuerlichen Rückruf äußern. Ein Sprecher des Konzerns erklärte allerdings, man kooperiere mit den Behörden in dieser Frage intensiv. +++

+++ BMW Thailand wird seine Montage von Elektrofahrzeugen in Thailand ausbauen. Die Bayern werden in ihrem Werk in Rayong 700 Millionen THB (21,1 Mio. US Dollar) in die Produktion von Plug-in Hybrid Modellen investieren. Derzeit werden in Rayong die PHEV Modelle 330e, 530e, X5 xDrive40e und 740Le produziert. Die Batterien für diese Fahrzeuge kommen nach wie vor aus Europa. “Die Vorteile des Board of Investment liegen in der Herstellung von fertigen Autos und der Vorbereitung für die Batteriepakete, die 2019 weiter umgesetzt werden soll”, so der Präsident von BMW Thailand, Christian Wiedmann. Das Projekt zielt darauf ab, den Erhalt der Anreize der thailändischen Regierung für die lokale Produktion von Hybridfahrzeugen sicherzustellen. Die thailändische Regierung kündigte zuvor Änderungen der Verbrauchsteuersätze an, die darauf abzielten, die Einführung von Fahrzeugen mit alternativem Antriebsstrang in dem Land zu fördern. Bis 2036 sollen 1,2 Millionen Elektrofahrzeuge und PHEV auf den Straßen des Landes unterwegs sein. Durch die Erweiterung werden im BMW Werk Rayong weitere 5.000 Quadratmeter auf der bestehenden Gebäudefläche von 45.000 Quadratmetern entstehen. +++

+++ Genau zu spüren, wie griffig oder rutschig die Straße ist, macht das Autofahren sicherer. Popometer nennen Rennfahrer diese nicht nur für sie existentielle Fähigkeit, mit dem Hintern zu spüren, die bisher vor allem von der Erfahrung abhängt. Der Stuttgarter Technologie Konzern und Autozulieferer BOSCH hat jetzt angekündigt, diese Fähigkeit ab dem Jahr 2020 digital ins Auto zu bringen. “Das Popometer für automatisierte Fahrzeuge kommt aus der Bosch-Cloud”, lautet das Versprechen von Bosch Geschäftsführer Dirk Hoheisel. Bosch arbeitet dabei mit dem finnischen Dienstleister Foreca zusammen, der sich als der Anbieter mit den genauesten Daten zum Straßenzustand erwiesen habe. Ziel des Bosch Angebots ist es, das automatisierte Fahren in möglichst vielen Situationen zu ermöglichen. Bisher muss selbst in hochautomatisierten Autos (Automatisierungs-Level 4 von möglichen 5) der Mensch selbst das Fahren übernehmen, wenn nicht genügend Daten vorliegen. Bosch und Foreca werden zunächst mit Hilfe von maschinellen Lernverfahren die Straßenwetter-Modelle optimieren. Längerfristiges Ziel ist es aber, präzise Informationen aus anderen vernetzten Fahrzeugen zu verwenden, die beispielsweise melden, wie kalt es ist oder ob die Scheibenwischer aktiv sind. Auch aus den Daten des Schleuderschutzes ESP werden Schlüsse über den Fahrbahnzustand gezogen. Bis zum Marktstart im Jahr 2020 rechne man aber nicht mit einer ausreichenden Verbreitung von vernetzten Autos, räumt Bosch ein. Allein für die rund 80.000 Autobahn-Kilometer in Europa wären nach Bosch-Schätzungen ungefähr 20 Millionen vernetzte Autos nötig. +++

+++ Hua Thai-Tang, bei FORD verantwortlich für Produktentwicklung, hat bestätigt, dass der Autohersteller aus Dearborn von derzeit 9 auf 5 globale Fahrzeugarchitekturen wechseln wird. Die 5 modularen Architekturen umfassen Hinterradantrieb, Allradantrieb mit Rahmen, Frontantrieb / Allrad-Unibody, kommerzielle Vans mit Unibody (Hinterrad / Allrad) sowie eine Plattform speziell für Elektrofahrzeuge. Der Bereichsleiter wird zitiert, dass der ‘One Ford’ Plan des Unternehmens dem Unternehmen in den vergangenen Jahren geholfen habe, globale Dimensionen zu erreichen, aber die gewünschten Skaleneffekte auf regionaler oder lokaler Ebene gefehlt hätten. Die Entscheidung, auf 5 modulare Plattformen umzusteigen, soll Kosten sparen und die Effizienz der Zulieferbasis steigern. Die Kommentare von Thai-Tang bestätigen die Informationen zur neuen Produktstrategie, die in letzter Zeit bereits bekannt wurden. Durch diese Maßnahmen sollen sieben Milliarden US Dollar eingespart und die Entwicklungszeit um 20 Prozent reduziert werden. +++

+++ IRAN und Brasilien planen, ihre bilateralen Beziehungen in der Autoindustrie auszuweiten. Die beiden Staaten diskutieren die Zusammenarbeit bei gemeinsamen Investitionen, Finanzierungsprojekten und Warenexporten. Angesichts des Ausstiegs mehrerer Automobil und Technologieunternehmen vom iranischen Markt nachdem US Präsident Donald Trump den Ausstieg aus dem Atomabkommen bekannt gab, steht die Automobilindustrie im Iran vor großen operativen und finanziellen Herausforderungen. Die iranische Regierung prüft daher derzeit viele Möglichkeiten, um trotz weiterer Handelssanktionen eine günstigere Versorgung mit Rohstoffen und Bauteilen zu sichern. So sollen die in den letzten Monaten stark gestiegenen Kosten für ihre Fahrzeuge gesenkt werden. Gleichzeitig suchen die brasilianischen Unternehmen seit längerem Partnerschaften mit ihren iranischen Kollegen. Ein Berater der nationalen Vereinigung brasilianischer Autoteile-Hersteller Sindipecas, Elaine Carmo Lima Colnago: “Als größter Hersteller von Autoteilen im Nahen Osten und Nordafrika sind iranische Firmen ein idealer Industriepartner für brasilianische Unternehmen”. +++

+++ Nicht mehr lange bis zur Präsentation des Aventador SVJ! Kurz vor der Car Week in Pebble Beach (20. bis 26. August 2018) hat LAMBORGHINI einen neuen Teaser zum Topmodell des Aventador veröffentlicht. Zu sehen ist ein Teil der Front mit zusätzlichen Lufteinlässen neben dem Logo. Und scheinbar wird die Launch-Farbe ein kräftiges Grün sein. Auf dem Nürburgring hat der Aventador SVJ schon geliefert! Lamborghini hat sich den Nordschleifen-Rekord zurückgeholt! Mit einer Zeit von 6:44,97 Minuten konnte der Aventador SVJ die bisherige Rekordzeit (6:47,3 Minuten) des Porsche GT2 RS um gut 2 Sekunden unterbieten! Und das mit einer sieben Jahre alten Plattform, Saugmotor und ohne Doppelkupplungsgetriebe. Dazu hat Lamborghini nach dem SV und dem streng limitierten Centenario die letzte Ausbaustufe des V12 Flaggschiffs gezündet. Unter der zerklüfteten Haube sitzt auch beim kommenden Aventador SV Jota der 6,5 Liter V12-Sauger, der im Aventador S 740 PS und im SV 750 PS leistet. Im Hardcore Aventador SVJ hat der V12, genau wie im Centenario, 770 PS. Beim Getriebe setzen die Italiener weiterhin auf das brutale ISR Getriebe und nicht auf ein Doppelkupplungsgetriebe. Außerdem ist der SVJ auf Semislicks von Pirelli (P Zero Trofeo R) unterwegs. Er hat an einer Stelle 332 km/h erreicht. Der Auspuff sitzt höher als beim Aventador S und erinnert an den Huracán Performante. Der SV Jota ist noch aggressiver designt als der Aventador SV. Schürzen und Schweller sind ausladender, der Heckflügel ist eine ganze Nummer größer, und der Auspuff wandert eine Etage höher. Statt des trapezförmigen Auspuffrohrs des Aventador S trägt der Jota 2 Endrohre im Stil des Huracán Performante. Vom kleinen Bruder könnte der Aventador SV Jota auch die aktive Aerodynamik ALA übernehmen. Zur Erinnerung: Der Huracán Performante hielt lange Zeit den Rundenrekord auf der Nordschleife (6:52.01), und schon der Aventador SV, der ohne aktive Aerodynamik ausgestattet ist, fuhr eine extrem schnelle Rundenzeit von 6:59.73. Das ikonische Namenskürzel Jota wurde erstmals beim legendären Lamborghini Miura eingesetzt. Autointernationaal.nl geht davon aus, dass der neue Lamborghini Aventador SV Jota noch 2018 in streng limitierter Stückzahl auf den Markt kommt. Der Preis dürfte bei über 650.000 Euro liegen. +++

+++ Die NEUZULASSUNG Statistik nach Fahrzeug Segmenten hält im Juli 2018 einige interessante Veränderungen parat. So spielt Opel in den Top3 in keinem der 12 Segmente noch eine Rolle, hingegen baut der Volkswagen Konzern seine Vorherrschaft aus. Gleich 8 VW Modelle führen die Statistik der Neuzulassungen im Berichtmonat an, zählt man die Konzernmarken noch dazu, sind sogar 10 der 12 Segmente fest in der Hand des Volkswagen Konzerns. Bei den Minis holt sich der Up die Krone mit 3.287 neu zugelassenen Fahrzeugen vom Mini zurück. Der Marktanteil des kleinen Wolfsburgers liegt bei 15,2 Prozent. Auf Platz 2 rangiert der Smart vor dem Juni Gewinner Mini. Insbesondere der Smart legte zum Juli 2017 um über 50 % zu. Den größten Rückgang fuhr Opel mit dem Adam ein. Die PSA Marke kommt im Juli 2018 nur auf 1.165 Modelle, ein Minus von 33,9 %. Bei den Kleinwagen rangiert der Polo ganz oben. 7.724 neu zugelassenen Modelle sprechen eine deutliche Sprache, wenn man sich den Zweitplatzieren Ford Fiesta mit 4.643 ansieht. Auf Platz 3 fährt im Berichtsmonat der Skoda Fabia mit 4.203 Modellen ein. Auch in diesem Segment holt der Zweitplatzierte mit 121,3 % Zuwachs zum Vorjahresmonat kräftig auf. Der im Juni noch auf Platz 3 liegende Opel Corsa (4.678 Zulassungen), findet sich im Juli nur noch auf Platz 5 wieder (3.092 Zulassungen). Gegenüber dem Juni 2017 verlor er 25,3 %. In der Golfklasse bleibt die Marktführerschaft klar geregelt. 29,2 % Marktanteil für den Golf sprechen da eine deutliche Sprache, 19.706 Neuzulassungen ebenso. Platz 2 geht an den Audi A3 mit 5.459 Neuzulassungen (plus einen Rang) und auf dem Bronzeplatz steht der Seat Leon (4.963), der den Juni Drittplatzieten Skoda Octavia verdrängte. Lieferten sich Opel Astra und Ford Focus in diesem Segment früher einen Kampf um die Plätze, so strafen die Käufer diese Modell nun ab: Der Focus liegt nur noch auf Platz 10, der Astra auf Platz 5 mit 2.181 bzw. 4.042 Modellen. Beide haben darüber hinaus eine sehr hohe Quote gewerblicher Halter: Astra 87,5 %; Focus 76,5 %. Auch die Mittelklasse ist von Volkswagen geprägt. Vorne machen es sich 8.253 Passat bequem, während auf Platz 2 der Audi A4 mit 7.613 Modellen und die Mercedes C-Klasse auf Rang 3 mit 4.643 Modellen rangiert. Es folgen abgeschlagen in diesem beliebten Fahrzeugsegment Audi A5 (2.965), BMW 3er (2.338) und Opel Insignia (2.289). Die Obere Mittelklasse vereint lediglich 7 Baureihen in sich. An der Spitze sind 4.907 Neuzulassungen für den Audi A6, dahinter steht die E-Klasse von Mercedes mit 3.461 Neuzulassungen und der BMW 5er mit 2.758 Zulassungen. Die komplette 90er-Baureihe von Volvo schließt sich an (560), Jaguar XF (106), Subaru Outback (66) folgen. Am Ende steht mit 7 Neuzulassungen der Lexus GS. Lediglich 20 Modelle entscheiden über Sieg und Niederlage in der Oberklasse. Die Mercedes S-Klasse wurde im Juli 563-mal zugelassen, der Audi A7 Sportback 543-mal. Etwas angehängt versucht der Mercedes CLS mit 413 Neuzulassungen dran zu bleiben. In diesem Segment liegt der Anteil der gewerblichen Halter mit durchschnittlich 87,1 % extrem hoch: die Mercedes S-Klasse hat 89,3 % gewerbliche Halter, der A7 Sportback 87,7 %, der CLS 82,1 %. SUV boomen, und entsprechend hat das Kraftfahrtbundesamt die Segmente dieser Fahrzeuge aufgesplittet. Da ist zunächst das SUV Segment mit dem neuen Spitzenreiter Volkswagen T-Roc vor dem Ford Kuga und dem Mercedes GLC. Die Quoten: 4.423, 3.533 und 3.400. Spannend sind aber auch die weiteren Plätze: Der neu eingeführte Seat Arona landet auf Platz 4 mit 2.935 Zulassungen, der brandneue Skoda Karoq steht auf Platz 11 mit 2.358 Neuzulassungen und vertreibt den seit Mai 2017 eingeführten Opel Crossland X mit 2.108 Neuzulassungen auf Rang 12. Die zweite Fraktion Offroad-Modelle ist unter Geländewagen subsumiert. 8.129 Volkswagen Tiguan bilden hier die Spitze. Vom Konzern lauern der Audi Q5 (2.523) und der Audi Q3 (2.376) auf den Rängen. Der ewige Kampf um die Krone bei den Sportwagen konnte im Juli mal wieder der Porsche 911 für sich entscheiden. 1.408 Neuzulassungen, ein Marktanteil von 31,8 % sind da eine recht deutliche Statistik. Audi’s TT schafft für den zweiten Platz 665 Modelle, das E-Klasse Coupé 532 Neuzulassungen. In den ersten 7 Monaten führt hier der 911 schon mit deutlichem Abstand (7.659) vor der E-Klasse (5.838) und dem TT (4.174). Auch bei den Vans gibt es 2 Segmente in den die Modelle je nach Größe untergebracht sind. Wenngleich die Mercedes B-Klasse deutlich Federn lassen muss, verteidigt sie ihr Revier. 1.796 neu zugelassene Modelle liegen deutlich vor dem Renault Scénic (1.381) und dem Peugeot 3008 (856). War einst der Opel Zafira ein Garant für gute Zulassungen, so muss sich der Großraum Van in diesem zweiten Segment nur noch mit Platz 5 zufrieden geben (745). Vor ihm rangieren ebenfalls die Altvorderen wie Seat Alhambra (760) und Volkswagen Sharan (1.047). Die ersten beiden Ränge gehen indes an Touran (3.926) und die Mercedes V-Klasse mit 1.923 Neuzulassungen. Im Segment der Utilities ist ebenfalls für Volkswagen die Welt in Ordnung. Der Transporter liegt dank 4.378 Neuzulassungen ganz vorne, sein kleiner Bruder Caddy folgt mit Respektabstand auf Platz 2 (2.559). Ford kann den Transit in den Top3 mit 1.167 Neuzulassungen unterbringen. +++

+++ Die OPEL Beschäftigten haben den Tarifvertrag zur Sanierung des Autobauers angenommen. Das Abkommen sieht unter anderem den Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen bis zum 31 Juli 2023 vor. Wie die IG Metall mitteilte, stimmten 96 % der Teilnehmer dem erreichten Kompromiss zu. Das Abkommen sieht unter anderem den Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen bis zum 31. Juli 2023 vor und begrenzt die Zahl der Vorruhestandsregelungen auf 3.700 Beschäftigte. Zudem wurden unter dem neuen Mutterkonzern PSA Investitionen in Milliardenhöhe für alle deutschen Standorte in Rüsselsheim, Eisenach und Kaiserslautern zugesagt. Die Gewerkschaft hatte dafür Lohnzugeständnisse gemacht und Erhöhungen aus dem Flächentarifvertrag zeitlich verschoben. In der Zwischenzeit war bekannt geworden, dass PSA prüft, für einen großen Teil des Opel Entwicklungszentrums einen strategischen Partner zu suchen. Hierzu gibt es aber noch keine Entscheidung. Der Gesamtbetriebsrat verlangt in diesem Zusammenhang, dass ein neues Unternehmen zu mindestens 50 % Opel gehören müsse. Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug lobte den deutlichen Rückhalt in der Belegschaft. “Der Zukunftstarifvertrag mit seinem langfristigen Kündigungsschutz ist ein guter Ausgangspunkt für die weiteren Verhandlungen über die Zukunft der Opel-Standorte und insbesondere des Entwicklungszentrums”, erklärte er. Michael Lohscheller drückt aufs Gaspedal. “Wir haben gerade erst angefangen, Opel neu aufzustellen. Aber wir machen weiter Tempo”, sagt der Opel Chef. Obwohl der 49-Jährige mit dem Rüsselsheimer Autobauer fast schon Historisches geschafft hat, nämlich nach vielen verlustreichen Quartalen im ersten Halbjahr 2018 erstmals wieder einen Gewinn einzufahren, sonnt sich Lohscheller nur kurz im Erfolg. Sein Blick verharrt nicht im Rückspiegel, sondern richtet sich nach vorne. Er plant, die Konkurrenz zu attackieren. “Jetzt, wo wir die Ertragswende erreicht haben, wollen wir in den nächsten Monaten den Marktanteil stabilisieren und dann mit unserer Modelloffensive angreifen und wieder wachsen”, erklärt Lohscheller. Insbesondere im Segment der leichten Nutzfahrzeuge hofft der Manager auf anziehende Verkäufe. “Das ist ein unterschätzter Bereich”, sagte Lohscheller. Mit neuen Modellen wie dem Combo oder dem Vivaro will Opel im Segment der leichten Nutzfahrzeuge bis 2020 um 25 % wachsen. Lohscheller vollzieht seine Attacke aber von einem äußerst niedrigen Niveau aus. Der Marktanteil von Opel liegt aktuell auf einem Allzeittief. Nur noch 5,6 % aller neu zugelassenen Autos in Europa waren zuletzt Modelle des Rüsselsheimer Unternehmens. Schlimmer noch: In Deutschland ist der Marktanteil auf den schlechtesten Wert seit den 1950er-Jahren abgesackt. Nur noch etwas mehr als 6 % der neu zugelassenen Pkws hierzulande sind Opel-Fahrzeuge. Zum Vergleich: Mitte der 1990er-Jahre war der Marktanteil des Traditionsunternehmens noch mehr als doppelt so hoch. Im Zuge der Restrukturierung habe Opel “leichte Marktanteilsverluste bis zu einem gewissen Grad bewusst hingenommen”, beschwichtigt Lohscheller. Der Grund: Um die Ertragskraft pro Fahrzeug zu steigern, hätten die Hessen beispielsweise ihr Engagement im margenschwachen Mietwagengeschäft reduziert. Jetzt will Lohscheller bei den Marktanteilen aber wieder zulegen: “Je früher, desto besser”. Gerade die beiden SUVs Grandland X und Crossland X, die auf den Plattformen des Opel Mutterkonzerns PSA produziert werden, würden sich gut entwickeln. “Wir sehen, dass die Fahrzeuge bei den Kunden gut ankommen”, sagt Lohscheller. Ein Branchenexperte ist hingegen anderer Meinung. Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen, schreibt in einer Marktanalyse, dass die Opel Modelle mit PSA Technik lediglich “überschaubare Akzeptanz” genössen. Die Akzeptanz und Bedeutung von Modellen lasse sich am sogenannten Modell Mix erkennen, also dem Anteil der jeweiligen Modelle an den Gesamtverkäufen der Marke. Und Grandland X und Crossland X hätten als neue Modelle bereits im zweiten Quartal im Vergleich zum ersten Quartal Mix-Anteile verloren. “So fällt der Grandland X etwa auf überschaubare 7 % Mix-Anteil zurück”, resümiert Dudenhöffer. Der Opel Chef Lohscheller hält dagegen: “Es ist entscheidend, wie sich die Autos in ihren jeweiligen Segmenten entwickeln und wie die Profitabilität pro Fahrzeug aussieht”. Unter diesen Gesichtspunkten sei Opel erfolgreich. “Anderslautenden Darstellungen muss ich entschieden widersprechen”. +++

+++ Der strombetriebene Vorzeigetransporter der Deutschen Post STREETSCOOTER trägt ein hässliches Geheimnis in sich: Cadmium. Das Schwermetall sitzt in einem Hochvoltladegerät. Das Unternehmen findet das offenbar nicht weiter schlimm. Lange Zeit schien es so, als hätte die stolze deutsche Autoindustrie die elektronische Revolution in der Antriebstechnik verschlafen. Schlimmer noch: Ein kleines Start-up aus Aachen führte die Konzerne auch noch vor: mit einem praktischen, umweltfreundlichen Transporter, dessen Kraft aus einer Batterie stammt, den Streetscooter. Die Deutsche Post stieg bei der Firma ein und machte daraus einen Imagecoup für sich. Schnell sprang die Bundesregierung mit auf – und präsentierte das klimafreundliche Gefährt, wo sie nur konnte. Doch jetzt bekommt die Erfolgsgeschichte ein nicht ganz so glänzendes Kapitel hinzugefügt. In dem Pakettransporter stecken giftige Schwermetalle: Nach einem Bauteil mit hohem Bleigehalt stießen die Zulassungsbehörden auf ein Hochvoltladegerät, das Cadmium enthält. Die Konzentration ist so hoch, dass eine normale Typgenehmigung des Streetscooters nicht möglich ist. Bislang hatte die Post die Zulassung einer sogenannten Kleinserie mit 2.000 Scootern beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) veranlasst; verschiedene Bundesländer erteilten zudem Einzelgenehmigungen. In beiden Verfahren muss der Hersteller nicht nachweisen, dass keine unzulässigen Schwermetalle verbaut sind. In der Bundesregierung ist man irritiert darüber, dass die entsprechenden Bauteile verwendet wurden. Ein Sprecher der Post erklärte, man halte sich bei den Streetscooter Elektrofahrzeugen an “die gesetzlichen Anforderungen”. Bei dem cadmiumhaltigen Ladegerät handelt es sich um das gleiche Bauteil, das auch in 124.000 Elektroautos aus dem Volkswagen Konzern verbaut ist. Hier wird das KBA wohl einen amtlichen Rückruf anordnen. Cadmium wurde lange Zeit wegen seiner Eigenschaft unter anderem als leicht formbares Metall als Legierung verwendet. Auch in Speziallacken war es untergemischt. Doch die EU-Kommission hat die Verwendung von Cadmium in den allermeisten Fällen verboten. Denn das Metall ist sehr giftig und steht im Verdacht, Krebs zu erregen. Es sammelt sich im Organismus an und kann so zu einer schleichenden Vergiftung führen. Entsprechend der EU-Verordnungen wurde Cadmium auch in die deutsche Altfahrzeugverordnung als ein Stoff aufgenommen, der in Fahrzeugen ab einer bestimmten Konzentration nicht verwendet werden darf. +++

+++ Der frühere VOLKSWAGEN Chef Martin Winterkorn kommt im Skandal um manipulierte Motorensoftware bei den Abgaswerten von Dieselautos durch Zeugenaussagen offenbar stärker unter Druck als bislang bekannt war. So sollen Zeugenaussagen und Dokumente nahelegen dass Winterkorn und andere Führungskräfte des Unternehmens bereits 2007 in die Software-Pläne eingeweiht waren, die womöglich den Grundstein für die Abgasmanipulation legten. “Bei diesem Treffen wurde unter Beteiligung Winterkorns und anderer Topmanager besprochen, wie ein neuer Dieselmotor umgerüstet werden könnte”, heißt es. Unklar bleibt aber auch nach diesen Aussagen und Dokumenten offenbar, wie weit Winterkorn während dieser Sitzung von den Manipulationen erfahren hat. Winterkorn ließ über seinen Anwalt erklären, er schließe aus “dass bei einem Treffen 2007 in seiner Gegenwart etwas vorgetragen worden wäre, das auf mögliche Manipulationen von Abgaswerten durch Softwareeinsatz hingedeutet hätte”. Volkswagen hat stets erklärt, der Abgasbetrug sei das Werk einiger Ingenieure und Motorenentwickler gewesen. “Die Entscheidung zur Entwicklung und zur Installation dieser Softwarefunktion wurde 2006 von bestimmten VW Mitarbeitern aus den Abteilungen ‘Dieselmotorenentwicklung’ (EAD) und ‘Antriebselektronik’ des Bereichs ‘Aggregate-Entwicklung’ (EA) und damit unterhalb der Vorstandsebene getroffen”, heißt es in der Klageerwiderung im Anleger-Musterverfahren vor dem Braunschweiger Oberlandesgericht. Die betreffenden VW Motorenentwickler hätten zum damaligen Zeitpunkt keine andere technologische Möglichkeit gesehen, die von 2007 an geltenden verschärften amerikanischen Abgas-Grenzwerte zu erreichen. In dem Schriftsatz heißt es auch, dass kein Vorstandsmitglied von VW “zu diesem Zeitpunkt oder in den nachfolgenden Monaten und Jahren” Kenntnis von der manipulierten Motorsteuerungen der EA 189 Dieselmotoren hatte. Volkswagen zufolge hat die Führungsebene von VW von den betrügerischen Manipulationen erst erfahren, als die amerikanischen Umweltbehörden den Betrug im September 2015 öffentlich machten. Aus dem Bericht über das Treffen geht nicht hervor, dass Winterkorn auf der Sitzung im November 2007 direkt über die Software informiert wurde. Während der Sitzung sollen zwei VW Ingenieure mögliche technische Lösungen präsentiert haben, zum Beispiel sollte der Motor einen neuen leistungsfähigen Katalysator erhalten. “Allerdings tauchte in den ergänzenden Unterlagen der Präsentation offenbar auch eine fragwürdige Software auf: Sie konnte anhand bestimmter Parameter unterscheiden, ob das Auto im Normalbetrieb war oder im ,testrelevanten Bereich’, also ob die Fahrbedingungen auf eine Testsituation schließen ließen”, heißt es in dem Bericht. Volkswagen habe die Aussagen der Zeugen nicht kommentiert: “Die gesamthafte Einordnung der Aussagen und Geschehnisse ist Sache der zuständigen Gerichte und Behörden”. +++

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