+++ Wolfgang Hatz kann laut Medienberichten die Untersuchungshaft verlassen. Der frühere AUDI Manager kam Ende September 2017 in Untersuchungshaft, die Staatsanwaltschaft München II legt ihm zur Last, früh von Manipulationen an der Abgasreinigung gewusst zu haben. Hatz soll versucht haben, Zeugen zu beeinflussen, was seine Verteidiger bis heute zurückweisen. Hatz’ Anwalt Peter Gauweiler hatte das Ende der Untersuchungshaft bestätigt. Hatz soll im Frühjahr mehrfach ausgesagt haben, nachdem er monatelang nichts zu den Vorwürfen gesagt habe. Gauweiler sehe es “aus einer Reihe von Gründen dringend geboten”, Hatz aus der Untersuchungshaft zu entlassen. Nun hat das Oberlandesgericht den früheren Audi Manager gegen Auflagen freigelassen: Er muss laut Bericht seinen Ausweis abgeben, 3 Millionen Euro Kaution hinterlegen und darf keinen Kontakt zu Mitbeschuldigten oder Zeugen aufnehmen. Das sind zum Beispiel frühere Volkswagen oder Audi Vorstände wie etwa Ex-VW Chef Martin Winterkorn. Audi zahlt einem früheren Ingenieur und Abteilungsleiter eine Abfindung in Höhe von 1,5 Millionen Euro. Giovanni P., der im Abgasskandal tief verstrickt ist, hatte vor Arbeitsgericht in München gegen seine fristlose Entlassung geklagt. Mit der Abfindung vermeidet Audi nun einen öffentlichen Prozess, in dem auch Vorwürfe gegen den inzwischen verhafteten Audi Vorstandsvorsitzenden Rupert Stadler publik geworden wären. Der Vertrag zwischen dem Ingenieur und Audi stammt aus Ende 2017. Darin ist unter anderem festgeschrieben, dass er rückwirkend Bonus-Zahlungen erhält, sowie Gehaltsnachzahlungen und ein Überbrückungsgeld bis zur Rente. Giovanni P. darf sich vertraglich festgeschrieben nicht öffentlich zur Abgasaffäre äußern, muss aber den Ermittlern helfen. Bereits in der U-Haft hatte P. Details zur Abgasmanipulation geschildert und viele Manager bis hin zu Stadler belastet. Im November 2017 war das Oberlandesgericht München (OLG) zu dem Ergebnis gekommen, gegen P. bestehe der dringende Tatverdacht des Betrugs durch den Verkauf ‘abgasmanipulierter’ Autos in den USA. Er sei aber nicht als “maßgeblicher Entscheidungsträger” anzusehen. Auch konnte nicht widerlegt werden, dass P. seine Vorgesetzten über das Problem mit den Abgas Grenzwerten informiert habe. Im Arbeitsprozess wäre sicher auch die Ergebnisse der Vernehmungen ans Licht gekommen. So auch der Vorwurf, Stadler habe im November 2015 angeordnet, Abgasmanipulationen gegenüber den US-Behörden zu verschweigen. +++
+++ Das chinesische Technologie Unternehmen Baidu testet AUTONOME Fahrzeuge seit einiger Zeit auf einer abgesperrten 33 Kilometer langen Schnellstraße in Tianjin, China. Der Testlauf soll unter Alltagsbedingungen Daten über die Position des Autos, die Wahrnehmung der Umgebung und das autonome Fahren selbst zu sammeln. Der in China ansässige Suchmaschinen Gigant Baidu investiert stark in den Bereich der künstlichen Intelligenz, um diese zukünftig bei seinen autonomen Fahrzeugen einzusetzen. Kürzlich stellte Baidu mit Apollo 2.5 die verbesserte Version seiner offenen autonomen Fahrplattform vor, die die Sensorkosten um bis zu 90 % reduzieren soll. Apollo hat bisher 100 Partner mit der offenen Plattform zusammengebracht. Hauptziel der Regierung ist es, China zum führenden Land für autonome Fahrzeuge werden zu lassen. Im Januar kündigten Baidu und BlackBerry eine Zusammenarbeit an, um den Einsatz vernetzter und autonomer Fahrzeugtechnologien weltweit zu beschleunigen. +++
+++ Ist die langfristige Strategie intakt, so das Credo von Aktionärsschützer Marc Tüngler, verzeihen Anleger Unternehmen auch ‘kurzfristige Tiefschläge”. Von Letzteren mussten DAIMLER Anteilseigner zuletzt gleich mehrere einstecken. So verdonnerte die Bundesregierung Deutschlands automobilen Vorzeigekonzern (Leitspruch: ‘Das Beste oder nichts’) am 11. Juni dazu, Hunderttausende Dieselfahrzeuge wegen “unzulässiger Abschalteinrichtungen” in die Werkstätten zu rufen. Bei der Elektrooffensive EQ droht Verzug, die Marke Smart fährt ohne Plan. Und vergangene Woche kassierte Daimler erstmals seit fast 6 Jahren auch noch seine Gewinnprognose. “Nach den zahlreichen Negativschlagzeilen in den vergangenen Wochen muss Daimler liefern”, fordert Tüngler. Bei dem Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) steigen die Erwartungen. Daimler Chef Dieter Zetsche drohe seine wichtigste Währung zu verspielen, “das verbliebene Vertrauen”, warnt Tüngler. Schließlich dümpelt die Aktie auf einem 2-jahrestief. Das saubere Image des Mercedes Herstellers ist angekratzt. Die Zahlen liegen unter Plan. Und die Aussichten verdüstern sich zusehends. Die Zweifel, ob die Richtung bei Daimler noch stimmt, mehren sich. Nicht zuletzt, weil die Kommunikation der Schwaben mehr Fragen aufwirft, als sie Antworten liefert. Die Gewinnwarnung begründete Daimler beispielsweise “maßgeblich” mit dem Handelsstreit zwischen den USA und China. Zweifelsfrei: Höhere Zölle würden Daimler empfindlich treffen. In Tuscaloosa im US Bundesstaat Alabama produzieren die Stuttgarter ihre SUV für den Weltmarkt. Zehntausende Modelle davon werden jährlich ins Reich der Mitte verschifft. Sollte Peking auf die von US Präsident Donald Trump angekündigten Handelshemmnisse gegen chinesische Produkte mit zusätzlichen Einfuhrtarifen in Höhe von 25 % auf US Importe reagieren, kämen auf Daimler unschöne Belastungen zu. Zudem droht Trump den heimischen Autobauern noch an einer weiteren Front, nämlich mit Zöllen auf EU Importe. So twitterte der US-Präsident, die EU belaste die USA und ihre Firmen mit unfairen Handelshemmnissen: “Wenn diese Zölle und Barrieren nicht bald eingerissen und beseitigt werden, werden wir 20 Prozent Zoll auf alle ihre Autos erheben, die in die USA kommen”. Noch handelt es sich freilich um Drohgebärden im Konjunktiv. Die ökonomischen Klingen werden gewetzt, aber noch nicht eingesetzt. “Wenn man schon in dem sich erst anbahnenden Handelskrieg mit einen Grund für eine Gewinnwarnung sieht, mag man sich nicht ausmalen, was passiert, wenn dieser wirklich ausbricht”, zeigt sich Aktionärsschützer Tüngler verwundert und besorgt zugleich. Damit ist er nicht allein. “Ungewöhnlich” und “merkwürdig” nennen die Analysten von Evercore ISI das Vorgehen von Daimler, den Handelsstreit als einen wesentlichen Grund für die gekappte Prognose anzuführen. Die Experten des Investmenthauses mutmaßen vielmehr, etwas anderes könnte dahinterstecken. “Lässt sich etwa das alternde SUV Portfolio nicht mehr so gut verkaufen?”, fragt Evercore. Völlig abwegig ist diese These nicht. “Die Party im Automobilmarkt ist erst einmal vorbei”, konstatiert Stefan Bratzel. Der Direktor des Center of Automotive Management (CAM) an der Wirtschaftsfachhochschule in Bergisch Gladbach ist überzeugt: Nach “7 fetten Jahren” stehen Daimler, BMW und Co. nun eher magere Zeiten bevor. “Auf die Hersteller kommt eine Vielzahl an Unsicherheiten zu: Da ist das Damoklesschwert von Strafzöllen, die Milliardeninvestitionen in die Elektromobilität, denen unmittelbar keinerlei Einnahmen gegenüberstehen, und immer rigidere Vorgaben bei den CO2-Emissionen”. Einen weiteren Punkt nennt Daimler in seiner Gewinnwarnung: Die Umstellung auf den neuen, strengeren Zulassungsstandard WLTP, den jedes Auto künftig durchlaufen muss. Dieser Hinweis überrascht, hatte Daimler doch bislang behauptet, gut vorbereitet zu sein, um den zusätzlichen Aufwand bewältigen zu können. “In Märkten, in denen CO2 höher besteuert wird, kämpfen wir mit Absatzproblemen bei Dieselfahrzeugen”, sagt nun eine Führungskraft. Zum Hintergrund: Weil die Autos bei WLTP anders als früher die Grenzwerte für den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid nicht nur auf dem Prüfstand im Labor einhalten müssen, sondern auch unter realen Bedingungen auf der Straße, “steigen die CO2-Emissionen pro Fahrzeug an”, erklärt Autoprofessor Bratzel. Die Folge: In Märkten wie den Niederlanden, in denen Autos danach besteuert werden, wie umweltfreundlich sie sind, werden viele Dieselmodelle für Kunden nun tendenziell teurer und damit unattraktiver. Hinzu kommt: “Alle prügeln sich um die Teststände”, sagt ein Manager. Mehrkosten entstünden vor allem durch Umsätze, die nicht getätigt werden können, weil Autos die nicht zugelassen sind auch nicht verkauft werden dürfen. “Unglaublich viele Autos stehen aktuell auf Halde”, erläutert CAM Direktor Bratzel das Branchenproblem: “Das ist eine Folge des Abgasskandals”. Hoffnungsmärkte wie Lateinamerika brechen weg. Der Handelsstreit verunsichert. Und intern hört man häufiger das Wort ‘Preisdruck’. Alles in allem: trübe Aussichten für den Mann, der sein letztes Amtsjahr mit Rekordzahlen abschließen will. +++
+++ Autohersteller in DEUTSCHLAND haben dafür ausgesprochen, alle Einfuhrzölle auf amerikanische Autos und Autokomponenten fallen zu lassen, wenn die USA bereit wären, dasselbe zu tun. Dieser Schritt würde bedeuten, dass die Europäische Union ihren 10 % Strafzoll für Autoimporte aus den USA und anderen Ländern abschaffen würde, während die USA ihren derzeitigen Zollsatz von 2,5 % senken und keinen erweiterten Zolltarif einführen. Die deutsche Regierung unterstützt den Vorschlag, vorausgesetzt: die USA treten von einem angedrohten 25 % Strafzoll für Autos aus der EU zurück. Eine solche Vereinbarung müsste jedoch über die EU genehmigt und nicht nur für Deutschland gelten, denn als Mitglied der EU ist Deutschland nicht befugt, Handelsabkommen auszuhandeln. “Deutschland hat den richtigen Ansatz, um diese Meinungsverschiedenheiten zwischen Freunden zu lösen”, so US Handelsminister Wilber Ross, “wenn die EU ihren 10 % Tarif auf US Autos und Lastkraftwagen senken würde, wäre das ein positiver erster Schritt zum fairen Handel auf mehr Gegenseitigkeit”. Der Automobilhandel zwischen den beiden Ländern und zwischen den USA und der EU hat die europäischen Länder bisher begünstigt. Bis General Motors im Jahr 2017 Opel an PSA verkaufte, belieferten sowohl GM als auch Ford die Region durch europäische Werke, statt Fahrzeuge aus den USA zu exportieren. Wenn die USA einen Strafzoll einführen, wären die deutschen Autohersteller sowohl in Bezug auf die Fahrzeuge, die sie in die USA exportieren, als auch in Bezug auf die Teile und Komponenten betroffen. Die Regelungen treffen in erster Linie deutsche Autohersteller. PSA kann sich nach wie vor nicht zu einem Neustart in den USA durchringen und auch Renault macht um die USA einen Bogen. Toyota exportiert nur eine kleine Anzahl von Yaris aus Frankreich; aber insgesamt geht wenig Automobilproduktion aus Frankreich in die USA, was bedeutet, dass die Franzosen wenig Anreiz haben, dem Vorschlag zuzustimmen. +++
+++ Diesel haben in Deutschland aktuell keinen leichten Stand. Die Angst vor Fahrverboten sitzt den Autofahrern im Nacken. Doch noch ist der Selbstzünder kein Auslaufmodell. Und deshalb betonen Autobauer derzeit gerne, wie sauber ihre Diesel Flotte ist und dass sie der Abgasnorm entspricht. Jetzt springt auch KIA auf den Öko Zug auf und verpasst dem SUV Sorento eine etwas weißere Weste. Zum Modelljahr 2019 hat Kia den 200 PS starken 2,2 Liter Turbodiesel mit einem SCR Abgasreinigungssystem ausgestattet, und beim 2,4 Liter-Benziner (188 PS) soll ein Ottopartikelfilter für reduzierte Schadstoffemissionen sorgen. Damit entsprechen beide Motoren des Sorento der Abgasnorm Euro 6d-Temp, die ab September 2019 für alle Neuwagen gilt, teilt der Hersteller mit. Außerdem bieten die Koreaner den Sorento nun mit Head-up-Display an, das die Fahrinformationen direkt ins Blickfeld des Fahrers auf die Frontscheibe projiziert (je nach Ausführung). Bestellt werden kann der Sorento Modelljahr 2019 ab sofort. +++
+++ Die Bauarbeiten am Hightech Motorenwerk der Marke MERCEDES im polnischen Jawor sind nahezu abgeschlossen. Über 1.000 Mitarbeiter sollen hier zum Einsatz kommen. War beim Spatenstich des Mercedes Werks im vergangenen Jahr noch von 500 Mitarbeitern die Rede, ist die Zahl aufgrund der hohen Nachfrage nach 4-Zylinder Motoren, verdoppelt worden. “In unserem CO2-neutralen Werk in Jawor werden wir hocheffiziente Motoren für unsere Hybridfahrzeuge und konventionell angetriebene Pkw fertigen”, sagte Markus Schäfer, Mitglied des Bereichsvorstands Mercedes, Produktion und Supply Chain. Neben den verschiedenen Motorvarianten werden die entsprechenden Kurbelgehäuse gefertigt, was eine schnelle Reaktion auf die Marktnachfrage ermöglicht. Die Daimler AG hat rund 500 Millionen Euro in den neuen 50 Hektar großen Produktionsstandort investiert. Am 19.6.2017 wurde mit dem Bau des ersten Produktionsstandorts von Mercedes-Benz Cars rund 70 Kilometer westlich von Breslau begonnen. Das Unternehmen sieht besonders bei der Nachfrage nach Hybridantriebssträngen viel Potenzial und will gleichzeitig sein Produktionsnetzwerk fit für die Elektromobilität machen. Die Qualifizierung der neuen polnischen Mitarbeiter übernimmt führend das Werk in Untertürkheim sowie im thüringischen Kölleda. Außerdem werden deutsche Mercedes Werker direkt vor Ort die Mitarbeiter schulen. Zudem will Mercedes nach eigenen Angaben mit den lokalen polnischen Berufsschulen eng zusammen arbeiten. Als weitere Innovation möchte Mercedes mit dem Werk in Jawor eine ressourcenschonende Produktion aufnehmen. Dazu setzt man gemeinsam mit Energie Versorgern und lokalen Behörden auf die Entwicklung von Lösungen zur CO2 neutralen Motoren Produktion. Hier sollen die Nutzung von Windkraft, Solarstrom aber auch Biogas Anwendungen im Vordergrund stehen. Der Powertrain Produktionsverbund von Mercedes besteht aus mehreren deutschen und internationalen Standorten. Sie werden von Untertürkheim aus gesteuert. Dort werden Motoren, Getriebe, Achsen und weitere Komponenten gefertigt. Im Mercedes-Benz Werk in Berlin liegt der Fokus auf der Entwicklung und Produktion von Komponenten und Teilen sowie auf der Motorenproduktion. Das Mercedes Werk in Hamburg entwickelt und produziert Achsen und Achskomponenten, Lenksäulen sowie Komponenten der Abgastechnologie und Leichtbaustrukturteile. Die Motorenfabrik MDC Power im thüringischen Kölleda, eine hundertprozentige Tochter der Daimler AG, lässt 4-Zylinder Motoren für Mercedes und AMG vom Band rollen. International gibt es noch weitere Produktionsstandorte: Zum Beispiel in Rumänien. Dort werden bei der Daimler Tochter Star Transmission Getrieben montiert und diverse Komponenten und Teilen gefertigt. In chinesischen Peking produziert das Joint Ventures BBAC Motoren für den lokalen Bedarf. Als weiterer Teil der strategischen Kooperation zwischen Daimler und der Renault/Nissan Allianz baut Infiniti im US Werk Decherd (US Bundesstaat Tennessee) 4-Zylinder Benzinmotoren für Mercedes-Benz. +++
+++ PORSCHE wollte die Sichtung sichergestellter Unterlagen verzögern. Es ging dabei um Informationen zur Diesel-Affäre. Ein Gericht wies den Widerspruch des OEM jedoch ab. Porsche hat im Rechtsstreit um Ermittlungen zur Diesel Affäre eine Niederlage vor Gericht erlitten. Das Amtsgericht habe den Widerspruch des Autobauers gegen die Sichtung sichergestellter Unterlagen abgewiesen, sagte eine Gerichtssprecherin. Porsche akzeptiere das Urteil, sagte ein Unternehmenssprecher. Der Autobauer habe sich mit dem Widerspruch zunächst etwas Zeit verschaffen wollen, um sich selbst einen Überblick über die besagten Unterlagen verschaffen zu können. Das sei nun geschehen. Der Widerspruch sei ein normaler Vorgang gewesen, sagte der Sprecher. Im Zusammenhang mit der Diesel Affäre hatten Ermittler im April mehrere Porsche Standorte durchsucht, darunter die Zentrale in Stuttgart-Zuffenhausen und das Entwicklungszentrum in Weissach. Dabei stellten die Ermittler zahlreiche Unterlagen sicher. +++
+++ Fehlende Zulassung wegen der neuen WLTP-Abgastests: VOLKSWAGEN parkt Tausende Neuwagen auf dem Pannenflughafen BER. Es drohen Lieferverzögerungen für bis zu 250.000 Autos. Die fehlenden Zulassungen für Fahrzeuge nach dem neuen WLTP Prüfverfahren führen bei Volkswagen zu einer Parkplatznot. Deshalb weicht der Konzern jetzt mit zahlreichen Neuwagen auf den Berliner Pannenflughafen BER aus. Auf dem Gelände habe der Konzern Flächen angemietet, um Autos mit Lieferverzögerungen darauf abzustellen, sagte ein VW Sprecher. Hintergrund der Probleme sind neue Abgastests nach dem Prüfzyklus WLTP. Ab dem 1. September 2018 dürfen nur noch Autos zugelassen werden, die dieses neue Testverfahren durchlaufen haben. VW produziert deshalb bereits zahlreiche Autos vor, die so gebaut sind, dass sie das Prüfverfahren schaffen. Allerdings fehlen derzeit noch die Freigaben für viele dieser Modelle durch das Kraftfahrt-Bundesamt. Konzernweit könne es durch die Umstellung auf das WLTP Verfahren zu Lieferverzögerungen bei 200.000 bis 250.000 Fahrzeuge kommen, sagte der Sprecher. Ein Teil davon werde auf den angemieteten Parkplätzen abgestellt. “Nach unseren Betriebsferien Ende Juli werden wir schon mehr Freigaben haben”, sagte er. Neben dem BER nutzt VW derzeit auch ein konzerneigenes Testgelände in Ehra-Lessien bei Wolfsburg. “Wir prüfen die Anmietung weiterer Flächen”, so VW. +++
+++ VOLVO setzt auf Nachhaltigkeit. Dass zeigt sich unter anderem daran, dass man sich langsam vom Verbrenner verabschiedet. Dass auf einer Fahrpräsentation wie jüngst beim V60 in den Testwagen keine kleinen Wasserflaschen aus Plastik mehr in den Türablagen stecken, sondern welche aus Aluminium mit Schraubverschluss und versehen mit dem Namen des Testfahrers, lässt tief blicken: Der schwedische Autobauer scheint es ernst zu meinen mit Nachhaltigkeit, Ressourcen-Schonung und Müllvermeidung. Jüngst vermeldete Volvo, sämtliche Plastik Einwegartikel bis Ende 2019 aus allen Büros und Kantinen sowie von eigenen Veranstaltungen auf der ganzen Welt zu verbannen. Mehr als 20 Millionen Plastikteile sollen so jährlich durch nachhaltigere Alternativen wie Papier, Zellstoff oder Holz ersetzt werden. Mit dieser Zusage will Volvo die Umweltkampagne für saubere Meere der Vereinten Nationen (UN) unterstützen und den eigenen ökologischen Fußabdruck verbessern. Volvos zweite Öko-Zusage betrifft die Modell-Strategie direkt: Die im kommenden Jahr bei uns eingeführte Mittelklasse-Limousine S60 ist das erste Fahrzeug von Volvo, das nicht mehr mit einem Dieselmotor ausgeliefert wird. Konzernchef Håkan Samuelsson sieht es als wenig sinnvoll an, in eine Technik zu investieren, die eine extrem teure und aufwändige Abgasnachbehandlung erfordert. Lieber setzt er das Geld für eine konsequente Elektrifizierung aller Antriebe ein. “Unsere Zukunft ist elektrisch”, sagt Samuelsson und sagt in Bezug auf die EU CO2 Grenzwerte: “Nur mit Diesel sind die 95 Gramm nicht zu schaffen. Wir werden Autos mit Verbrennungsmotoren auslaufen lassen”. Damit sind mittelfristig auch Benziner gemeint. Sie wird es bis dahin nur noch als Mild Hybrid mit 48 Volt Modul sowie in Kombination mit einem Plug-in Hybrid geben. Ziel sind die sogenannte BEVs, Battery Electric Vehicles, also reine Elektroautos. Sie sollen bereits ab 2025 die Hälfte aller neu produzierten Volvos ausmachen. Für den gleichen Zeitraum verspricht Volvo in all seinen Werken (das jüngste wird diesen Monat in Charleston im US-Bundesstaat South Carolina eingeweiht) eine klimaneutrale Fertigung. Das Motorenwerk im schwedischen Skövde arbeitet bereits seit Januar 2018 klimaneutral. Weitere Werke besitzt Volvo in Göteborg, Gent (Belgien), Chengdu, Daqing und Zhangjiakou (China). Zudem werden Karosserieteile in Olofström (Schweden) gefertigt. Keine andere klassische Premium Automobilmarke lehnt sich derzeit in Sachen E-Mobility so weit aus dem Fenster wie Volvo und geht die Elektrifizierung so konsequent an. Anfang nächsten Jahres werden bereits 7 Plug-in Hybride in den Showrooms stehen. Für Ende 2021 sieht CEO Samuelsson 5 Elektroautos im Portfolio, 3 werden das Volvo-Emblem im Grill tragen, 2 zur neu gegründeten Marke Polestar gehören. Polestar spielt dabei die Vorreiterrolle: Nach dem bekannten Plug-in Hybrid Coupé mit dem Namen Polestar 1 (2019) folgt Anfang 2020 das erste BEV, genannt Polestar 2. Es dürfte sich dabei um einen kompakten Crossover handeln, ähnlich der Volvo Studie 40.2. Polestar 2 steht auf der zusammen mit der chinesischen Mutter Zhejiang Geely Holding entwickelten CMA Plattform (Compact Modular Architecture). Diese bildet die technische Basis für alle zukünftigen kompakten Elektromodelle, während die weiterentwickelte SPA Plattform elektrische Varianten bis hoch zum großen SUV XC90 möglich macht. Wie Håkan Samuelsson betont, wird es keine Elektroautos mit eigenem Design geben, wie es beispielsweise Mercedes mit den EQ oder Audi mit den e-Tron Modellen plant. Die gesamte Batterie und Antriebstechnik steckt Volvo in bestehende und noch kommende Baureihen. Eine davon wird die Nachfolgegeneration der 40er-Serie sein. Ein V40 in gewohnter Form ist nicht mehr geplant. Man vermeidet, in dieser Klasse gegen Mercedes A-Klasse, Audi A3 und 1er BMW auf konventionellem Wege zu konkurrieren. Vorstellbar ist daher neben elektrifizierten Versionen auch ein reines Elektroauto, im Design ein sportlicher Mix aus SUV und Coupé. Debüt: voraussichtlich 2020. Zuvor wird Volvo seinen XC40 vollständig elektrisieren. Als erforderlich sieht Samuelsson eine Reichweite von 500 Kilometern an, was derzeit Batterien mit einer Kapazität von 80 kWh nach sich ziehen würde. Technisch sollte dies kein Problem darstellen. Schon im Opel Ampera-e stecken 60 kWh. Seine Zellmodule bezieht Volvo derzeit von LG Chem aus Korea. Profitieren wird von der CMA Plattform auch die chinesische Schwester Lynk & Co., die Premiummarke von Geely. Volvo baut die Autos für Lynk & Co. momentan in China. In einem zweiten Schritt soll auch eine Fertigung in Gent (Belgien) vorbereitet werden, um Lynk & Co. den Eintritt in Europa zu erleichtern. Vom Band könnten dann, je nach Produktionsstart, ausschließlich rein elektrische Fahrzeuge rollen. Mit Verbrennungsmotoren dürfte sich Lynk & Co. schlauerweise nicht mehr abgeben. Verkauf, Service und Wartung würden über die Volvo-Händler laufen. +++
