+++ Der DAIMLER Konzern hat sich einen Tesla Model X als Mietwagen besorgt, ihn ausgiebigst getestet und ihn offenbar auch zerlegt. Um sich einen Einblick in die Technologie des US Konkurrenten Tesla zu verschaffen, habe Daimler im Sommer durch eine Vermittlung von Sixt über einen kleinen Autovermieter in Bayern ein Tesla Model X für 7 Wochen angemietet. Das Auto wurde während der Mietzeit offenbar auseinandergebaut und wieder zusammengeschraubt. Zudem wurde es unter Extrembedingungen unter anderem bei Hitze, auf einer Rüttelstrecke und einer Traktionsstrecke getestet. Im ursprünglichen Mietvertrag mit Sixt waren allerdings sowohl das Auseinanderbauen als auch die Nutzung auf Teststrecken ausgeschlossen. Am Ende der Mietzeit wurde das Fahrzeug mit Schäden in fünfstelliger Höhe zurückgegeben. Auf die Spur gekommen war der Autovermieter den Testfahrten nur über die Ortungsfunktion des Fahrzeugs. Diese zeigte es auf Teststrecken nahe Barcelona und in Sindelfingen. Zuvor hatte Daimler bereits den Streetscooter der Post über eine Briefkastenfirma geliehen und heimlich getestet. Die Anmietung von Fahrzeugen zu ‘Vergleichsfahrten’ sei ein “in der Automobilbranche üblicher Vorgang”, teilte Daimler mit. Sixt teilte mit, es habe gutachterlich festgestellte Schäden in Höhe von 15.000 Euro, die Wertminderung und die Gutachterkosten beglichen. Von Sixt vermietete Fahrzeuge dürften nicht auf Test- und Rennstrecken genutzt werden. Sixt nannte Daimler nicht als Kunden. Zusätzlich zur Reparatur fordert der bayerische Vermieter auch eine Vertragsstrafe für jeden Tag auf einer Teststrecke. Insgesamt belaufen sich die Forderungen gegen Sixt und Daimler auf 99.000 Euro. Daimler habe bislang nichts bezahlt. Um seine Ansprüche durchzusetzen, müsste der Autovermieter klagen. Allerdings fürchtet der sich gegen die großen Rechtsabteilungen der Konzerne zu verlieren und noch mehr Geld einzubüßen. +++
+++ Die Debatte um Fahrverbote für DIESEL Autos treibt nach Einschätzung von Experten die Verkaufszahlen bei Neuwagen weiter in die Höhe. Weil viele Autofahrer von Diesel auf Benziner umstiegen, dürften im kommenden Jahr in Deutschland mehr als 3,5 Millionen Autos verkauft werden, heißt es in einer Prognose des Instituts für Automobilwirtschaft (IFA) in Geislingen. Für das laufende Jahr rechnet IFA-Chef Willi Diez mit 3,45 Millionen Fahrzeugen; das wären 2,9 Prozent mehr als 2016. Alle 3 Jahre lägen damit den Angaben zufolge deutlich über dem langjährigen Durchschnitt. “Die Diskussion um Fahrverbote erweist sich völlig überraschend als Konjunkturprogramm für die Branche”, sagte Diez. In der Prognose geht er davon aus, dass die Zahl der in Deutschland verkauften Fahrzeuge mit Elektroantrieb 2018 auf mehr als 100.000 steigt; sogenannte Plug-In-Hybride eingerechnet. Dieses Jahr sollen es bis Ende Dezember noch insgesamt 48.000 Verkäufe werden. Im Vorjahr waren es den Angaben zufolge gut 25.150 verkaufte Fahrzeuge. In vielen deutschen Städten werden beim Ausstoß gefährlicher Stickoxide anhaltend Grenzwerte überschritten. Es drohen deshalb gerichtlich erzwungene Diesel-Fahrverbote. “Viele Autofahrer sind verunsichert und wollen kein Risiko im Hinblick auf mögliche Fahrverbote eingehen und entscheiden sich daher jetzt dafür, das Fahrzeug zu wechseln”, sagte Diez. Das gelte auch für gewerbliche Kunden, die Autos kaufen. Außerdem, so die Prognose, zeigten die Umtauschprämien der Hersteller Wirkung. In die Berechnung fließen diverse Faktoren wie etwa die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts, die Arbeitslosigkeit oder auch die Investitionsbereitschaft der Unternehmen und deren Auswirkungen auf die verschiedenen Kundengruppen ein. +++
+++ FIAT CHRYSLER erwägt eine Partnerschaft in technischen Bereichen mit dem südkoreanischen Rivalen Hyundai. Fiat kaufe bereits bestimmte Komponenten von Hyundai, sagte Firmenchef Sergio Marchionne. Vielleicht könne es auch zu einer Vereinbarung etwa in den Bereichen Antriebe und Wasserstoff kommen. Derzeit gebe es dazu aber nichts anzukündigen. Auch glaube er nicht, dass die Allianz zu einer Fusion führen könne. Der siebtgrößte Autobauer der Welt ist seit längerem auf der Suche nach einem Partner oder Käufer, um bei der teuren Entwicklung neuer Technologien wie selbstfahrenden Autos und Elektroautos mithalten, Kosten sparen und Emissions Auflagen besser erfüllen zu können. In Europa und den USA hatte sich Marchionne Absagen eingeholt. So wiesen Volkswagen und General Motors dies als abwegig zurück. Im August hatte der chinesische Autobauer Great Wall Motor erklärt, Interesse an Fiat Chrysler zu haben. +++
+++ Vor lauter Baustellenlärm ist an der Wasserstofftankstelle die eigene Stimme kaum zu hören. HYUNDAI baut sein Forschungszentrum für Umwelttechnik aus. Das neue Gebäude werde noch einmal so groß wie die bisherigen Räumlichkeiten, sagt Kim Sae-hoon. Kim ist Direktor der Brennstoffzellengruppe in der Forschungsabteilung. Wie viele neue Mitarbeiter in dem Neubau beschäftigt werden, lässt er offen. Bislang arbeiten in der ökologischen Entwicklungsabteilung in Yongin, einige Kilometer südlich von Seoul, etwas mehr als 200 Techniker an Antrieben der Zukunft wie dem Wasserstoffantrieb. Im Vergleich zu den etwa 13.000 Ingenieuren, die der größte koreanische Autohersteller in Forschung und Entwicklung beschäftigt, sind 200 Forscher wenig. Doch Hyundai hat große Pläne mit der Wasserstofftechnik. “Wenn Korea das Ziel einhalten will, bis 2030 den Ausstoß von Kohlendioxid um 37 Prozent zu verringern, wird man am Wasserstoff nicht vorbeikommen”, sagt Kim. Allein durch Energieeinsparungen und den Ausbau erneuerbarer Energien werde sich das Ziel kaum erreichen lassen. Den Anteil von echter erneuerbarer Energie in Südkorea aus Windkraft oder Solarenergie beziffert Kim derzeit mit weniger als 1 Prozent. Hyundai beschäftigt sich schon lange mit dem Wasserstoffantrieb. Der größte koreanische Autoproduzent nimmt für sich in Anspruch, 2013 das erste Auto mit Brennstoffzellentechnik in Serienproduktion auf den Markt gebracht zu haben. Serienproduktion mag treffend die Art der Fertigung beschreiben, klingt aber ein wenig übertrieben. Die Produktion sei von Beginn an auf 1.000 Fahrzeuge angelegt gewesen, sagt Kim. An die 1.000 Stück des SUV, das in Europa unter dem Namen ix35 Fuel Cell läuft, hat Hyundai in 18 Ländern auch verkauft oder vermietet, vorwiegend an Regierungen oder staatliche Einrichtungen im Ausland. Zum Vergleich: Toyota, der japanische Marktführer, hat seit Dezember 2014 rund 4.300 Stück des Brennstoffzellenautos Mirai verkauft. Der Dritte im Bunde der Wasserstoffkünstler, Honda Motor, hat von seinem Clarity Fuel Cell bislang mehr als 600 verleast. Im Januar wird Hyundai auf der Consumer Electronics Show in Amerika das Nachfolgemodell seines Brennstoffzellenfahrzeugs vorstellen. Der Name ist noch geheim. Vor dem Forschungszentrum in Yongin steht ein Vorserienmodell zum Anschauen, nicht zum Probefahren. Nach dem konventionell geschnittenen Vorgänger legt Hyundai ein aggressiveres Design mit schmalen Scheinwerfern hin. Das Unternehmen hat sich vom ungewöhnlichen Aussehen des Toyota Mirai anstecken lassen. Wichtiger sind die inneren Werte. In der neuen Generation bilden Brennstoffzelle und Elektroantrieb eine Einheit. Rund 15 Prozent kleiner als im Vorgängermodell ist der Antrieb, im Motorraum ist deutlich mehr Luft als beim Vorgänger. Auch der Kofferraum hat gewonnen, weil Hyundai nun 3 mittelgroße Wasserstofftanks einbaut und nicht wie zuvor einen großen und einen kleinen Tank. Die Haltbarkeit der Brennstoffzelle im neuen Modell entspreche der üblichen Fahrleistung eines gewöhnlichen Autos, sagt Kim. Damit sei eines der Probleme des Vorgängers überwunden. Das neue Wasserstoffauto hat eine Reichweite von 800 Kilometern nach europäischem Standard, 26 Prozent mehr als der Vorgänger, und schlägt damit den Toyota Mirai deutlich. Die Energieeffizienz wurde von 55 auf 60 Prozent gesteigert, die maximale Motorleistung um 20 Prozent auf 163 PS. Über den Preis schweigt Hyundai sich noch aus. Das Auto sei günstiger als der Vorgänger, der rund das Doppelte eines vergleichbaren Benziners kostete. Auch zum Verkaufsziel für das in Ulsan gebaute Fahrzeug will Hyundai sich noch nicht äußern. Das Unternehmen baut auch reine Elektrofahrzeuge. Doch trotz der Hinwendung vieler Regierungen zum Strom aus Batterien sieht Hyundai die Zukunft des Autoantriebs mindestens zweigleisig. Große Reichweiten, Taxen, Busse oder Lastwagen mit hoher Kilometerleistung und idealerweise geringer Standzeit; das sind die Nutzungen, in denen Hyundai die Brennstoffzelle im Vorteil sieht. Mit reinen Elektrofahrzeugen würden die Ladezeiten zu lang oder das Gewicht zu hoch. Schon von einer Reichweite von 160 Kilometern an seien 10-Tonnen Lastwagen mit Brennstoffzellen kostengünstiger als reine Elektrolastwagen, hat Hyundai berechnet. Während der Olympischen Winterspiele in Pyeongchang im Februar wird Hyundai fünf mit Wasserstoff-Brennstoffzellen betriebene Busse einsetzen. Korea kommt so Japan zuvor, das sich zu den Sommerspielen 2020 in Tokio mit 100 Brennstoffzellenbussen als Wasserstoffgesellschaft in spe präsentieren will. Auf kurze Sicht sei die Brennstoffzellentechnik eine Art Versicherung dagegen, dass im Schwenk hin zu reinen Elektrofahrzeugen etwas schiefgeht, sagt Kim. Werden wirklich hinreichend Batterien zur Verfügung stehen, um die ehrgeizigen Ausbaupläne vieler Hersteller und künftig verschärfte Umweltauflagen zu erfüllen, fragt der Ingenieur, der an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen promoviert wurde. Beim Poker sei es besser, zwei Karten in der Hand zu haben. “Unsere zweite Karte ist die Brennstoffzelle”. Je nach Verfügbarkeit von umweltfreundlicher Energie ergäben sich in einzelnen Ländern unterschiedliche Marktanteile von reinen Elektro- und Brennstoffzellenfahrzeugen, vermutet Kim. In Ländern wie Korea oder Japan, die ihre Energie überwiegend importieren, biete sich Wasserstoff als günstige Energie ein. In Ländern wie Deutschland mit einem hohen Anteil erneuerbarer Energie könne Wasserstoff als Energiespeicher dienen. Kim schwebt vor, Wasserstoff weniger gefährlich als Ammoniak-Verbindung zu transportieren oder zu lagern. Ammoniak lasse sich leicht verflüssigen und bei Bedarf in Stickstoff und Wasserstoff aufbrechen. Das ist Zukunftsmusik. Heute klagt Kim darüber, dass die Regierung in Seoul keine rechten Pläne hin zur Wasserstoffgesellschaft habe. Gerade mal 14 Wasserstofftankstellen gibt es in dem Land. Die neue Regierung hat das Ziel für 2022 vorgegeben, dass bis dahin 310 solcher Zapfstellen gebaut sein sollen. “Warten wir es ab”, sagt Kim. Auch frühere Regierungen hätten ihre hehren Ausbauziele nicht erfüllt. Die Regierung fördere falsch, weil sie Städte anstelle von Tankstellenbetreibern subventioniere, klagt Kim. Übertriebene Regulierungen seien ein weiteres Hemmnis. So schreibe Südkorea vor, dass es an Wasserstofftankstellen keine Selbstbedienung geben dürfe. Auch müsse ein großer Sicherheitsabstand der Wasserstofftanksäulen von anderen Brennstoffen eingehalten werden, während europäische Länder wie Deutschland das schon lange aufgegeben hätten. Im Ergebnis würden Wasserstofftankstellen teuer. Kim nennt einen Baupreis von etwa 1,5 Millionen Euro in Europa. In Korea sei der Bau doppelt, in Japan wegen noch strengerer Vorschriften viermal so teuer. Unter anderem wegen der Schwierigkeiten im Aufbau der Infrastruktur sieht Kim den Durchbruch der Fahrzeuge mit Brennstoffzelle und Wasserstofftank erst von 2025 an. Erst müssten sich mehr Autohersteller und Zulieferer dem Wasserstoffauto zuwenden, damit die Technik preiswerter werden könne. Hyundai denkt in der Durststrecke derweil auch an andere Nutzungen der Technik. In Seoul plant das Unternehmen bis 2021 ein neues Hauptquartier, das als Global Business Center das höchste Gebäude Koreas werden soll. Ein Teil der Energie des Gebäudes soll mit Brennstoffzellen gewonnen werden. +++
+++ Für einen erfolgreichen Neustart sucht der Autohersteller OPEL die Zustimmung seiner Belegschaft. Man habe gemeinsam den vor 3 Wochen vorgestellten Zukunftsplan Pace diskutiert, erklärten Unternehmen, Betriebsrat und IG Metall gemeinsam in Rüsselsheim. Man wolle zeitnah zu einer Vereinbarung kommen und die Verhandlungen bereits in dieser Woche fortsetzen. Der französische Opel Eigentümer PSA will die neue deutsche Tochter ebenso effektiv machen wie die eigenen Werke. Dazu liegt ein Sanierungsplan vor, mit dem das seit Jahren verlustreiche Unternehmen im Jahr 2020 einen operativen Gewinn von 2 Prozent des Umsatzes schaffen soll. Er beinhaltet unter anderem einen forcierten Wechsel auf PSA Technologien und die schnelle Einführung von Elektromodellen, um die Abgasvorgaben der Europäischen Union einzuhalten. Die Lohnkosten sollen über Abfindungen, neue Arbeitszeitkonzepte und Altersteilzeit gesenkt werden. Konkret sollen zahlreiche 40 Stunden Verträge auf die tariflich vereinbarten 35 Stunden zurückgefahren werden. Auch die Leiharbeit soll in den Betrieben deutlich abgebaut werden. Die genaue Ausgestaltung wie auch der Zeitraum des Kündigungsschutzes und die Vergabe neuer Produktionsaufgaben ist Gegenstand der Verhandlungen mit den Arbeitnehmern. Bis Ende 2018 sind die rund 19.000 Opel-Beschäftigten in Deutschland vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen gemeinsam mit der britischen Schwestermarke Vauxhall rund 38.000 Menschen an zehn europäischen Standorten. +++
+++ PSA (Peugeot, Citroën, DS, Opel, Vauxhall) treibt die Entwicklung der Elektroautos schnell weiter. Der französische Autohersteller kündigte eine Allianz für Elektromotoren mit dem japanischen Motorenhersteller Nidec an. An dem Gemeinschaftsunternehmen halten PSA, die Nummer2 der Autobranche in Europa, und Nidec Leroy-Somer, Spezialist im Elektromotorenbereich, jeweils 50 Prozent. Die gemeinsame Pressekonferenz hielten die Unternehmen nicht bei Peugeot ab, sondern beim Gewerkschaftsverband CCFA in der Nähe des Triumphbogens. Dort erklärten Patrice Lucas, Vizepräsident zuständig für Programm und Strategie bei PSA, und Tetsuo Onishi, Vizepräsident bei Nidec, ihr Vorhaben. “Es ist eine strategische Partnerschaft”, betonte Lucas. Die Elektromotoren seien für die ganze Gruppe bestimmt, damit auch für Opel. Nicht ausgeschlossen ist auch dass Elektromotoren für andere Autobauer entwickelt und produziert werden. Die Ankündigung wurde von den Märkten positiv aufgenommen, weil PSA damit bei den E-Motoren einen großen Schritt vorankommt. Nidec hat schon länger engen Kontakt mit PSA. Im Februar hatten die Japaner die französische E-Motor Firma Leroy Somer übernommen. Die Kooperation mit PSA läuft über diese Tochter. Im ersten Quartal 2018 soll der Deal abgeschlossen werden, muss aber noch von den Kartellbehörden genehmigt werden. Der Sitz des Unternehmens und die erste Produktionsstätte sollen sich in Frankreich befinden, und nicht etwa in Rüsselsheim, wo Opel in den vergangenen Jahren etliche Motoren entwickelt hat. 220 Millionen Euro investieren die beiden Partner in das Joint Venture. Schon im Jahr 2022 will der Konzern 900.000 Elektromotoren herstellen. PSA und Nidec sehen voraus, dass der Markt der Elektromotoren für Autos sich bis 2030 verdoppeln dürfte. “Das Elektroauto ist ein Must für einen Autohersteller, um mit den Abgas Vorschriften in Europa und China konform zu sein”, betonte Lucas. Für das Unternehmen werden 100 Ingenieure gebraucht, bis zu 400 Jobs könnten abhängig von den Herstellungsvolumen geschaffen werden. Allerdings könnte das auch über Umstrukturierungen in der Gruppe geschehen. Grund für die Partnerschaft sind auch die Krise im Bereich der Dieselwagen und immer strengere Abgasvorschriften. Ab 2040 will Frankreich keine Verbrennungsmotoren mehr zulassen, Diesel und Benzin sind deshalb immer weniger gefragt. Auch wenn PSA mit einigen Übergangsjahren rechnet, steigt der Druck in den Metropolen. In der Hauptstadt Paris gelten darüber hinaus heute schon Fahrverbote für alte Diesel an einigen Wochentagen. Der Absatz des Diesels geht daher nicht nur im Heimatmarkt von PSA immer mehr zurück. Während die Franzosen lange stolz auf ihre Dieselmotoren waren, wagt Tavares nun den strategischen Schwenk. Patrice Lucas von Peugeot kündigte an, dass 2023 insgesamt 80 Prozent der Modelle auch mit einem Elektromotor angeboten werden sollen. Während der französische Konkurrent Renault heute schon die meisten Elektroautos in Europa verkauft, hatte Peugeot den Status als Pionier in den vergangenen Jahren verloren. Nun will man wieder aufholen. Von den neuen PSA Elektromotoren soll auch die deutsche Tochter Opel profitieren. Vergangene Woche hatte die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass PSA von der ehemaligen Opel Mutter General Motors (GM) Geld zurückverlangen könnte, weil Opel die strengen Abgasvorgaben der EU nicht einhalten könne. Die hohen CO2 Emissionen von Opel könnten angesichts schärferer Abgasziele in Europa zu hohen Strafzahlungen führen. Bis zu 650 Millionen Euro verlange man von den Amerikaner, hieß es. PSA hatte den deutschen Hersteller vor 4 Monaten von dem US Konzern übernommen. Eine Stellungnahme gab es von PSA oder GM bisher nicht dazu und auch in der Pressekonferenz wichen die Verantwortlichen bei der Frage aus. Die neue Partnerschaft bei Elektromotoren habe nichts mit Opel zu tun. +++
+++ Die Deutsche Kaufprämie von 4.000 Euro für das Model S von TESLA wird nicht länger ausgezahlt. Das zuständige Bundesamt für Ausfuhrkontrolle (Bafa) strich das Fahrzeug von der Liste der förderfähigen Modelle. Grund sei, dass das Auto nur mit einem zusätzlichen Komfortpaket zu kaufen sei. Damit werde aber die Höchstgrenze von 60.000 Euro, bis zu der eine Förderung möglich sei, überschritten, sagte ein Sprecher des Bafa. Dies sei Ergebnis einer Prüfung, die seit Juli laufe. Tesla wehrte sich gegen die Vorwürfe und bezeichnete diese als “falsch”. “Jeder in Deutschland kann die Basisversion des Modells Tesla S ohne das Komfortpaket bestellen und wir haben solche Autos an Kunden ausgeliefert”, sagte ein Sprecher des Elektroauto-Pioniers aus den USA. Dies gehe allein auch schon aus den Bestelloptionen für die Oberklasse-Limousine auf der Internetseite hervor. Tesla biete das Basispaket an, damit Kunden von der Prämienzahlung profitieren könnten. Der US Autobauer wolle nun prüfen, ob Tesla Verkäufer falsche Angaben gemacht hätten. Der Bafa Sprecher erklärte, dass jetzt untersucht wird, ob der Staatsanteil an den bereits ausgezahlten Prämien zurückgefordert werde. Die Förderung von 4.000 Euro wird je zur Hälfte vom Hersteller und vom Steuerzahler getragen. Seit Start der Kaufprämie im Juli 2016 gingen 1.274 Anträge für Tesla Fahrzeuge auf Auszahlung ein. Davon wurden 834 bewilligt und 648 ausgezahlt. Insgesamt hat es laut Bafa bisher rund 42.250 Anträge auf Förderung von E-Autos und Hybridfahrzeugen gegeben. +++
+++ Die Sanierung der Automarke VOLKSWAGEN läuft besser als vom Unternehmen selbst angekündigt. Weil Volkswagen unerwartet viele Autos verkauft und auch die Kosten im Zaum gehalten hat, erhöht die Marke ihr Renditeziel für das Jahr 2017. Für die operative Rendite hatte Volkswagen bislang eine Spanne von 2,5 bis 3,5 Prozent angekündigt. Jetzt wird die Ertragsrate “moderat” über dieser Spanne liegen, wie der Konzern in Wolfsburg verkündete. Die Marke Volkswagen ist der wichtigste Teil des gesamten Konzerns; etwa 60 Prozent der Verkäufe entfallen allein auf VW. Das Management in Wolfsburg sieht sich durch die jüngsten Entwicklungen bestätigt. “Wir haben die grundlegende Neuausrichtung eingeleitet, die Strategie greift”, sagte VW Markenchef Herbert Diess. VW verfolge das Ziel, bis zum Jahr 2020 zum wichtigsten Volumenanbieter in allen Weltregionen aufzusteigen; mit neuen Elektroautos und vielen zusätzlichen Geländewagen (SUV). Nachholbedarf hat Volkswagen vor allem in den USA und in Teilen Asiens. Weil die Geschäfte 2 Jahre nach dem Bekanntwerden der Dieselaffäre vergleichsweise gut laufen, erhöht die Marke auch ihre längerfristigen Renditeziele. Für das Jahr 2020 hatte Volkswagen bislang eine operative Rendite von “mindestens 4 Prozent” versprochen. Jetzt geht es auch mit diesem Wert etwas nach oben. Nun soll für das Jahr 2020 ebenfalls eine Spanne gelten: Die Marke VW peilt einen Wert zwischen 4 und 5 Prozent an. Im vergangenen Jahr hatte es in Wolfsburg noch deutlich düsterer ausgesehen. Anfang 2016 hatte die Marke noch nicht einmal 1 Prozent Rendite geschafft. Als guter Branchenwert gelten etwa 6 Prozent, die Konkurrenten wie der PSA Konzern erreichen. Auch unter Investoren wird der Kurswechsel in Wolfsburg anerkannt. Die VW Aktie gehört seit Wochen zu den großen Gewinnern im deutschen Aktienindex Dax. Der Titel konnte sich wieder deutlich über der Grenze von 170 Euro festsetzen und liegt damit inzwischen über dem Niveau aus der Zeit vor der Dieselaffäre. Bei der Dividendenrendite entwickelt sich die VW Aktie inzwischen sogar besser als die Titel von Daimler und BMW. “Heute lohnt es sich wieder, eher eine VW-Aktie zu halten als die Papiere der deutschen Konkurrenten”, sagt Arndt Ellinghorst beim Investmentberater Evercore ISI. Investoren würden dem VW Management inzwischen glauben, dass es den Turnaround ernst nehme, vor allem bei der Konzernmarke Volkswagen. Die Dieselaffäre sei der Auslöser gewesen, der den großen Umschwung überhaupt erst möglich gemacht habe. Unter Investoren zähle VW wegen des eingeleiteten Umschwungs mittlerweile als “heiße Aktie”. Dass sich die Verkaufszahlen in diesem Jahr wieder gut entwickelt haben, führte Markenchef Diess vor allem auf die SUV Offensive zurück. 2017 steuere Volkswagen deshalb auf einen neuen Absatzrekord zu. “Wir werden deutlich mehr als 6 Millionen Autos verkaufen”, sagte er. In vielen Regionen der Welt gewinne VW wieder Marktanteile dazu. “Auf wichtigen Märkten wie Russland und Südamerika sind wir wieder auf Wachstumskurs”, ergänzte Finanzvorstand Arno Antlitz. Nur auf dem Heimatmarkt Deutschland lief es für Volkswagen schlechter. Hierzulande ist das Vertrauen der Kunden wegen der Dieselaffäre verlorengegangen. Das Management in Wolfsburg hofft auf eine Trendwende im nächsten Jahr: mit neuen Modellen und sauberen Dieselmotoren. Außerdem hilft die Umweltprämie: Halter alter Dieselautos tauschen vermehrt ihre Autos um, 50.000 sind es bislang. Im nächsten Jahr wird es die Wechselprämie allerdings nicht mehr geben, wie Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann sagte. VW führe möglicherweise andere Formen der Verkaufsförderung ein, es gebe aber noch keine Entscheidung. Nach 10 Monaten liegen die VW Verkaufszahlen bei mehr als 5 Millionen Autos; eine Steigerung von gut 3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. 550.000 weltweit ausgelieferte Autos bedeuteten den besten Oktober aller Zeiten für die Marke. VW rechnet damit, dass sich die Verkaufsdynamik zum Jahresende eher noch beschleunigen wird. Auch in den kommenden Jahren sollen die SUV Volkswagen weiter nach oben bringen: Bis 2020 könnte es weltweit 20 Geländewagen der Marke VW geben. Etwa 40 Prozent aller verkauften Modelle wären dann ein SUV. Mit den Geländewagen verdient Volkswagen das Geld, um den Einstieg in die Elektromobilität zu finanzieren. “Mit attraktiven Modellen haben wir die Trendwende geschafft und gewinnen Marktanteile”, sagte VW Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann. Die Modelloffensive habe gerade erst begonnen, die Pipeline mit neuen Fahrzeugen sei in den kommenden Jahren gut gefüllt. Dabei helfe auch die neue Autonomie der Regionen. So seien etwa in Südamerika erstmals wieder 2 eigene neue Modelle vor Ort und nicht in Wolfsburg entwickelt worden. Dass es mit der Marke Volkswagen vorangeht, liegt auch an der Umsetzung des VW-Sanierungsprogramms (Zukunftspakt), das vor allem in Deutschland auf der Kostenseite für Entlastungen sorgt. Bis zum Jahr 2020 will VW damit jährlich 3,7 Milliarden Euro sparen; 3 Milliarden Euro davon allein in den deutschen Werken. 23.000 Arbeitsplätze werden in Deutschland gestrichen, 9.000 neue kommen vor allem für die Bereiche Elektroantrieb und Digitalisierung dazu. In diesem Jahr sind bislang 3.800 Arbeitsplätze gestrichen und 2.000 neu geschaffen worden. Das im Rahmen des Zukunftspaktes angepeilte Ziel von 9.200 unterschriebenen Verträgen im Altersteilzeit Programm für 2017 wurde nach VW-Angaben zum großen Teil erreicht. In ungefähr der Hälfte der deutschen Werke seien die angekündigten Produktivitätssteigerungen geschafft worden. “Wir haben aber noch einen anspruchsvollen Weg vor uns”, betonte Markenchef Diess. Extrem wichtig für Volkswagen ist der Produktionsstart der neuen Generation von Elektrofahrzeugen Ende 2019. Die Marke investiert in den kommenden 5 Jahren weltweit mehr als 4 Milliarden Euro in die Architektur der neuen ID Elektroautos. “Diese Baureihe ist für die Zukunft von Volkswagen von überragender Bedeutung”, betonte Herbert Diess. Dazu kommen weitere 2 Milliarden Euro für Entwicklungskosten. Das Werk im sächsischen Zwickau wird zum Zentrum der Elektrofertigung von Volkswagen. +++
